Kreuzstich


Kreuzstich ist ein bisschen wie Pixelart… nur eben analog und wesentlich zäher in der Herstellung. Aussehen tut es aber, sobald es denn mal fertig ist, mindestens genauso gut. Die Anfertigung ist nicht kompliziert. Das kann gut und schlecht sein, in meinem Fall eher Letzteres, dazu aber später mehr.

Das Bild sollte ein Hochzeitsgeschenk für meine Frau werden. Einige Motive aus unserer gemeinsamen Zeit, andere, auf die wir noch hoffen. Gleich vorweg: Ich gehe hier nicht explizit auf die Bedeutung und Hintergrundgeschichten der einzelnen Bereiche ein, weil, so sehr ich mich auch freue, dass DU (ja, genau DU) das hier liest, so ist das dennoch zu privat und persönlich, um es mit einem kleinen Schubs im Internet sich selbst zu überlassen. Wer wirklich genaue Details zum Hintergrund wissen will, kann mich ja persönlich anschreiben. Vielleicht überdenke ich meine Einstellung zur Privatsphäre dann nochmal. Nun zum Prozess selbst.

Üblicherweise hat man als Vorlage einen großen Ausdruck voller kleiner Symbole. Jedes Symbol steht dabei für eine gewisse Farbe, die an einer, sozusagen per X und Y-Koordinate abzuzählender Stelle, zwischen und / oder neben anderen Farben gesetzt werden muss. Ich konnte bei dem Projekt teils kostenlose Vorlagen verwenden, anderes (beispielsweise für die Schriftart) habe ich bezahlt, einiges habe ich auch selbst „entworfen“. Um mich auf dem Stück Stoff orientieren zu können, wollte ich mit einer Art Rahmen, in meinem Fall den vier Ecken, anfangen. In jeder einzelnen findet sich ein Land, das für uns eine besondere Bedeutung hat, entweder weil wir dort bereits gute Zeit verbracht haben oder dies noch wollen.

Die Ecken gaben erste Orientierung. Nun folgten unsere Hochzeitssymbole, links, oben und rechts, sowie unsere Namen. Außenrum stimmen die Abstände weitestgehend, bei den Namen zeigt sich aber ein kleines Problem. Die verwendete Schriftart ist natürlich nicht Courier, die Buchstaben, vor allem das ‚i‘ und ‚t‘ unterscheiden sich demnach in ihrer Breite von den anderen. Und während der Name Diana vier breite Lettern hat, finden sich in Basti nur drei. Ich habe versucht, dem so gut es geht entgegenzuwirken, indem ich von der Mitte aus (also mit dem zweiten ‚a‘ in Diana) angefangen habe nach links zu sticken. Dadurch befindet sich die Ungleichmäßigkeit zumindest nicht im Zentrum des Bildes. Ich hatte auch überlegt, meinem ‚t‘ und ‚i‘ mehr Raum zu geben, was allerdings komisch aussah. Folglich ist es das geworden, was zu sehen ist und das ist ok.

Als nächstes folgte das Datum, aber schön entgegen der DIN-Ordnung im TT.M.JJJJ Format. Ich habe die ‚0‘ vor der ‚8‘ weggelassen, weil es sonst im unteren Bereich sehr voll ausgesehen hätte. Aufgrund der ‚1‘ wirkt es im ersten Moment etwas rechtslastig, was ich aber mithilfe eines gelben (Entstehungs-) Sterns ausgeglichen habe. Danach stickte ich zwei miteinander verbundene Ringe zwischen unsere Namen. Wer schonmal versucht hat, mit vielen Quadraten einen Kreis darzustellen, weiß, dass es einfachere Formen gibt. Aber ich bin sehr zufrieden damit, wie die beiden letztendlich aussehen, auch der jeweilige Goldton kommt gut raus (: Abschließend für diesen Schritt kam unter die Ringe in kleiner und hoffnungsvoll grüner Schrift noch ein ‚The best is yet to come…‘…

Als letztes sollte noch eine kleine Besonderheit eingestickt werden, die uns im Lauf unseres Lebens zu diesem Bild zurückkehren lässt. Drei kleine Motive, die man sich vielleicht denken kann, von deren genauem Aussehen aber zumindest meine Frau noch keine Ahnung hat. Versteckt unter einer Art Flicken werden diese erst enthüllt, wenn es soweit ist. Da brauchst auch DU (danke nochmal, fürs Vorbeischauen (: ) nicht zu fragen. Das bleibt geheim.

Ein paar abschließende Worte zum Kreuzstich…

Ja, das kann toll aussehen und ja, das was hier zu sehen ist, ist das Hochzeitsgeschenk für meine Frau und allein schon deswegen für mich überaus wichtig und mit besonderer Aufmerksamkeit hergestellt.

…aber…

ABER…

Aber mein Gott macht Kreuzstich nach den ersten zwei Stunden keinen Spaß mehr. Nicht falsch verstehen, es ist fantastisch, das fertige Produkt in der Hand zu haben und gerade, wenn man mit einem Bereich durch ist, fühlt sich das in dem Moment echt gut an. Was ich persönlich hier einfach besonders mühsam und insgesamt leider als zu eintönig empfand, war die Fertigung selbst. Aber davon stecken in dem Bild eben knapp 30 Stunden, und die habe ich grade gegen Ende wirklich gemerkt.

Somit war ich einerseits noch nie so froh, ein Projekt fertig zu haben.

Gleichzeitig war ich aber auch noch nie so stolz auf ein Produkt.

Klar, viel und oft wenig abwechslungsreiche Arbeit, aber das in der Hand zu halten und ja, natürlich auch zu wissen, was drinsteckt, entschädigt unheimlich dafür. Ich kann es vollkommen verstehen, dass genau dieser Moment Leute in das Hobby zieht und sie daran festhalten lässt. Und vielleicht (mit viel Abstand) komm ja sogar ich nochmal zurück zum Kreuzstich. Aber im ersten Moment war ich einfach froh, nur einmal zu heiraten (: